WC – Tiefspüler versus Flachspüler

Die innere Bauform der Toilette - eine echte Glaubensfrage

Ein deutsches Badezimmer besitzt eine durchschnittliche Lebensdauer von über 20 Jahren, da solltest du auf Einrichtung und Ausstattung des Bades besonderen Wert legen.

Toiletten sind Orte des Individualismus und der Intimität aufgrund des menschlichen Schamgefühls, weil der Nutzer allein auf der „Schüssel“ hockt und dennoch indirekt mit nachfolgenden Nutzern oder sogar einer breiten Öffentlichkeit in Kontakt steht (z.B. über den Geruch und verschiedene Nutzungs- und Reinlichkeitsvorstellungen).

Die Bezeichnungen Tiefspüler und Flachspüler aus dem Sanitärfachjargon beziehen sich auf die innere Bauform der Toilette.

Ein Flachspüler-WC ist heute eher seltener in heimischen Bädern anzutreffen. Es besitzt im Inneren eine Art Stufe bzw. Vorsprung. Der Abfluss befindet sich durch die Form oftmals ein Stück weit von der Wand weg. 

Der Ablauf zum Siphon ist somit nach vorne gerichtet zur Raummitte. Daher ist ein Flachspül-WC ohne gute ausreichende Belüftungsvoraussetzungen für private Haushalte sowie öffentliche und in sich geschlossene Einrichtungen eher weniger geeignet.

Unterschiede

Der Unterschied zwischen Tief- und Flachspülern besteht darin, dass gerade ältere und kranke Menschen darauf achten sollten, wie ihr Stuhlgang aussieht. Bei einem sogenannten Plumsklo (=Tiefspüler) ist das hingegen aufgrund der Bauform äußerst schwierig.

Bei einer flachen Toilette hingegen, bemerkt man jedoch Blut im Stuhl oder sonstige Unregelmäßigkeiten oder Auffälligkeiten auf den ersten Blick beim Abspülen.

Bei Flachspülern kann es - je nach Konsistenz des Stuhlgangs (z.B bei Verstopfung) - beim Spülvorgang zu Wasserspritzern über den Klobrillenrand kommen (ebenfalls unhygienisch). Markenkeramik ist in jedem Falle bei beiden Modellvariaten empfehlenswert, da bei diesen Modellen im Rahmen der Fertigung häufig eine bessere Lasierung unter dem Rand erfolgt. Markenflachspüler lassen sich entgegen weitverbreiteter Annahmen über lästige Bremsspuren gut reinigen.

In den meisten Industrienationen findet man häufig am Beckenrand von Toiletten sogenannte Duftspüler oder -steine, die durch Abgabe von Düften unangenehme Gerüche der Exkremente überlagern und für mehr Sanitärhygiene sorgen.

Flachspüler hatten ursprünglich den Vorteil, dass bei Verrichtung keine lästigen Wasserspritzer an Hinterteil und Oberschenkel des Sitzenden gelangen.

Für medizinische Zwecke in Kranknhäusern und Arztpraxen ist es so zudem leichter möglich, wenig verwässerte Stuhlproben zur weiteren Analyse zu entnehmen.

Bei den heutzutage meist verbauten Tiefspülern gelangen die menschlichen Exkremente hingegen direkt in das Spülwasser, was einen Schutz der Keramik vor hartnäckigen Schmutzspuren und weniger Geruchsbildung zur Folge hat. Die Kanten und der Spülrand werden in der Regel nach dem Basis-Gipsguss manuell verputzt; nicht zu gießende Bestandteile der Keramikschüssel wie der Trennsteg bei Tiefspülern dann im unteren Bereich des Geruchsverschlusses eingearbeitet. Diese Form ist unter anderem in Nordamerika, Frankreich und England sowie zunehmend in Deutschland und Österreich verbreitet.

Innovation Kaskade - ein Blick in die Abort-Zukunft

Eine moderne Modifikation klassischer Spülsysteme ist das Kaskaden-WC; der Abfluss zum Siphon ist dementsprechend rück- bzw. wandseitig gebaut, so dass die Keramikzunge zuverlässig Wasserspritzer ans Gesäß abhält.

Kleine Abzieh- und Wassersparkunde für Profis

Der Spülvorgang unterscheidet sich jedoch bei europäischen und nordamerikanischen Toilettenvarianten: Während in Europa das beim Spülen einlaufende Wasser die Exkremente wegtransportiert, wird in Nordamerika in den Siphonverläufen ein Teil des Spülwassers als Wasserstrahl eingeleitet. Die Ausscheidungen in der Kloschüssel werden folglich durch Sog entleert und dann wird wieder mit Wasser aufgefüllt. Der Wasserstand in amerikanischen Tiefspülern ist daher deutlich höher als in europäischen Modellen.

Insgesamt ist jedoch der Wasserverbrauch eines Tiefspülers geringer als beim Flachspüler. Breits überholte Spülkastentechnik (meist überkopf montiert) verbraucht - ununterbrochen- für einen Spülvorgang bis zu 12 Liter kostbares Wasser.

Aufgrund verbesserter Wasserführung in der Toilettenschüssel reicht jedoch heute die Hälfte oder sogar nur ein Viertel der bisher üblichen Wassermenge; außerdem kann durch integrierte Spartasten die Wasserspülung manuell beendet werden. Der befürchtete, unhygienische Nachteil des Wasser-Zurückspritzens (=Rückschlagwelle als First World Problem) bei festem Stuhl wird aufgrund der speziellen Bauform weitestgehend eingedämmt. Alternative, um auf Nummer sicher zu gehen: bei einem Tiefspüler-WC sollte man im Vorfeld ein Blatt Klopapier hineinlegen.

Es gibt Modelle des Tiefspülers, die über eine flachere Vorderseite verfügen, so dass man etwas weiter vorne sitzend auf der Klobrille weniger Spritzer produziert. Einziges Manko der Tiefspüler-WCs sind auf lange Sicht durch Absetzungen verstopfte Abflussrohre.

Fazit

Preislich gesehen gibt es zwischen Flach- und Tiefspülern wiederum keine großen Unterschiede. Daher sollte sich deine Wahl an deinen individuellen Bedürfnissen orientieren.

Beide Varianten finden sich sowohl bei klassischen Standtoiletten als auch bei moderneren Hänge-WC's. Wenn du über zwei WC's verfügst, solltest du einen Tiefspüler für das Gäste-WC wählen und einen Flachspüler für dein privates Badezimmer - so hast du immer die Wahl. Für Gewerbebetriebe, Gastronomie, Gästetoiletten und öffentliche Toilettenanlagen sind Tiefspüler das A und O, um den Gestank so weit wie möglich einzudämmen.

Hat man ein WC ohne Fenster, ist das ein Aspekt, der für einen Tiefspüler spricht, da der Kot gleich ins Wasser fällt und somit weitgehend geruchsneutral bedeckt ist.